Heilung

Es ist für mich selbst interessant, wie man für sich selbst den Begriff „Heilung“ im Laufe seine Lebens (20 Jahre später) definiert.

roland

Ein Text aus dem Jahr 1996

„Der Roland will ja nicht gesund werden“

Ich war zum Bibelcamp ’96 auf Schloß Mansfeld. Dort hörte ich u.a. wie einige sagten „Der Roland will ja nicht gesund werden“. Als mir das irgendwann zu „bunt“ wurde, fragte ich nach, wie sie darauf kommen. Da erzählten sie mir: „Bei deinem Interview im Januar in der CVJM-LIFE war die Frage: ‚Wie du als Behinderter mit den biblischen Heilungsgeschichten umgehst?‘. Und da hast du geantwortet, dass Gott dich häufig als Werkzeug gebraucht, um Nichtbehinderte zum Nachdenken anzuregen. Und durch behinderte Mitarbeiter werden Nichtbehinderte daran erinnert, dass nicht alles selbstverständlich ist. Deshalb bist du glücklich, daß dich Gott so geschaffen hat wie du bist.“
Das stimmt allerdings. Und dazu stehe ich auch weiterhin. Aber ich möchte nicht verschweigen, dass ich mir an schlechten Tagen wünsche: „Jetzt müsste es einen Knall geben und du müßtest gesund sein“. Das ist, so glaube ich, auch menschlich. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich das für möglich halte – nämlich dann, wenn mich Gott für andere Aufgaben gebrauchen will.
Also, um die Sache klarzustellen: In mir ist schon die Sehnsucht, gesund zu werden. Aber aus der Freude darüber, dass Jesus für meine Schuld gestorben ist und dass ER mich trotz meiner starken Behinderung zum Mitarbeiter berufen hat, kann ich mich so annehmen wie ich bin.
Mit der Antwort in der CVJM-LIFE wollte ich keinen starken Mann markieren – der ich sowieso nicht bin -, sondern meine Liebe und Dankbarkeit gegenüber Jesus zum Ausdruck bringen.
Dieses Erlebnis hat mich erneut daran erinnert, daß es zwar unsere Aufgabe ist, Gottes Liebe weiterzugeben. Dabei dürfen wir nie vergessen, daß wir Christen auch „nur“ Menschen mit Fehlern und Schwächen sind. Wir Christen sind nicht besser als der Rest der Welt. Aber wir sind besser dran, weil unser Herr – nämlich Jesus Christus – der einzige Weg zum ewigen Leben und zum wahren Frieden ist.

Ein Text aus dem Jahr 2016

Mella hatte herausgefunden, dass es in Burkina Faso einen berühmten Wunderheiler gibt. Wir freuten uns riesig. Da fahren wir hin, wenn wir in Burkina Faso sind. Aber es kam aus unterschiedlichen Gründen nicht dazu. Was hatte das zu bedeuten? Wenige Tage später hatte ich mit Mella ein intensives Gespräch mit dem Ergebnis: Wenn mich der Heiler wirklich heilen würde, wäre ich nicht mehr der Roland mit seiner Eigenart. Ich wäre nicht mehr das Original, was Gott geschaffen hat. Das wäre schade. ICH BIN ICH.